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Nachfrage nach Wohnimmobilien in Berlin ungebrochen

 Berlin

  • Bauüberhang höher als in den 90er Jahren
  • Wohnungen werden immer teurer
  • Bevölkerungswachstum hält 2018 an

Der Bauüberhang im Berliner Wohnungsbau erreichte 2017 einen Rekordstand. Mit 58.460 (+15% gegenüber 2016) übertraf der Überhang an genehmigten aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen den der 90er Jahre um 10.000. Dies ist ein deutlicher Indikator für die Engpässe rund um den Bausektor. „Die Bauaktivität wird vor allem durch den Fachkräftemangel in einigen Handwerksberufen, fehlende Kapazitäten, aber auch immer komplexere Bauvorschriften, schwieriger zu erschließenden Grundstücksflächen und steigende Baukosten gebremst“, erklärt Dr. Jürgen Allerkamp, Vorsitzender des Vorstands der Investitionsbank Berlin (IBB). „Zudem haben Unternehmen und Verwaltung im vergangenen Jahrzehnt Personal abgebaut und erst spät begonnen dieses wieder aufzustocken, was sich jetzt in Form verzögerter Baufertigstellungen bemerkbar macht.“

Für das 1. Quartal 2018 zeigen die Baufertigstellungen gegenüber dem Vorjahresquartal einen robusten Anstieg um 8,2% auf 3.430 Wohnungen. Dennoch hat die Dynamik am Jahresanfang 2018 gegenüber dem 1. Quartal 2017 nachgelassen. In den Jahren 2018 und 2019 dürften nach Berechnung der IBB-Volkswirte zusammen knapp 35.000 Wohnungen fertiggestellt werden, davon 17.000 in 2018. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg in Berlin insgesamt 15.669 Baufertigstellungen, darunter 12.785 Neubauten. Das entspricht einer Steigerung von 14,7% gegenüber dem Vorjahr.

Steigende Bevölkerungszahlen, expandierende Beschäftigung, höhere Einkommen und eine günstige Finanzierung lassen die Nachfrage nach Wohnimmobilien weiter steigen. Da diese Nachfrage das Angebot an neuen Wohnungen immer noch deutlich übertrifft, werden Wohnimmobilien in der deutschen Hauptstadt immer teurer.

Dr. Allerkamp: „Die Anziehungskraft Berlins ist ungebrochen. Ein Grund für die Attraktivität der Stadt waren lange Zeit die günstigen Mieten. Inzwischen ist es aber die boomende Wirtschaft, die für viele Menschen Jobs bereitstellt und Menschen in großer Zahl nach Berlin zieht. Für diese Menschen muss Wohnraum bereitgestellt werden. Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen ist 2017 zwar wieder gestiegen, allerdings liegt noch ein gutes Wegstück vor uns, um die Wohnungsversorgung in Berlin nachhaltig zu stabilisieren.“

Die Berliner Wirtschaft weist seit drei Jahren ein Wachstum von über 3% auf. In 2017 lag das Berliner BIP mit 3,1% sogar knapp ein Prozentpunkt oberhalb des Bundesschnitts. Für 2018 kann mit einem BIP-Wachstum von knapp 3% gerechnet werden. Mit der starken Konjunkturentwicklung stieg die Zahl der Menschen die nach Berlin gezogen sind – jährlich rund 40.000 Personen – für die pro Jahr rund 20.000 neue Wohnungen benötigt werden. Auf kurze Sicht lässt sich die Bedarfslücke nicht vollständig schließen.

Vor der Euro-Krise hatten sich vor allem in Ländern wie etwa Spanien und Irland Spekulationsblasen am Immobilienmarkt gebildet. Im Vergleich dazu gibt es in Berlin zumindest zwei Unterschiede: Zum einen finanzieren Immobilienkäufer ihre Objekte weniger stark mit Krediten als in vielen anderen internationalen Metropolen. Zum anderen gibt es in Berlin tatsächlich eine starke Nachfrage nach Wohnungen.

Die Berliner Immobilienwirtschaft wird daher nach Ansicht der IBB ihre Wachstumsphase weiter fortsetzen. Dabei ist nicht auszuschließen, dass in einigen Preissegmenten die Preise bereits über das aus fundamentaler Sicht gerechtfertigte Niveau hinausgeschossen sind und die Belastungsgrenze für viele Menschen erreicht ist. Werden die Berliner Immobilienpreise im internationalen Metropolenkontext analysiert, so zeigt dieser Vergleich, dass Wohnungen in der deutschen Hauptstadt noch nicht grundsätzlich zu teuer sind.

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