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28.06.2018 , Berlin

Die Berliner Wirtschaft im Fokus – KMU-Report 2018

Berliner Mittelstand bleibt auf Wachstumskurs

Die kleinen und mittleren Unternehmen aus Berlin sind weiterhin sehr zufrieden mit der Geschäftslage. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von Creditreform Berlin-Brandenburg und der Investitionsbank Berlin (IBB) unter rund 1.100 Berliner Unternehmen. So schätzte im Frühjahr 2018 die überwiegende Mehrzahl der Befragten (73,1 Prozent) die aktuelle Geschäftslage mit sehr gut bzw. gut ein. Das war ein höherer Anteil als im Vorjahr (69,3 Prozent). Außerordentlich positiv bewerteten erneut die Unternehmen aus dem Baugewerbe ihre Geschäftslage. Die zunehmende protektionistische Handelspolitik konnte die Konjunkturlaune der Berliner Unternehmen offenbar nicht trüben.

Jedes zweite Unternehmen erzielt Umsatzplus

Weiter positiv entwickelten sich die Umsätze der kleinen und mittleren Unternehmen. Im Jahr 2017 konnte mehr als jeder zweite Befragte (56,2 Prozent) ein Umsatzplus verbuchen. 13,4 Prozent der Befragten verzeichneten einen Umsatzrückgang. Im Handel betrug der Anteil der Unternehmen mit Umsatzrückgängen 16,9 Prozent.

Die Berliner Unternehmen haben auch die Beschäftigung weiter aufgestockt. 30,6 Prozent der Befragten haben im Jahr 2017 zusätzliches Personal eingestellt und jedes achte Unternehmen (12,5 Prozent) hat Stellen abgebaut. Vor allem die jungen Berliner Unternehmen meldeten Beschäftigungszuwächse (61,5 Prozent der Befragten). Im Vergleich zur Vorjahresbefragung zeigte sich allerdings nur im Baugewerbe eine höhere Personalnachfrage.

Geschäftserwartungen ohne Eintrübung

Sehr zuversichtlich beurteilt der Berliner Mittelstand die weitere Geschäftsentwicklung. Fast jeder zweite Befragte (47,3 Prozent) rechnet für das laufende Jahr mit steigenden Umsätzen. Damit sind die Berliner Unternehmen ähnlich zuversichtlich wie im Vorjahr. Eine rückläufige Umsatzentwicklung erwarten gerade einmal 8,7 Prozent der Befragten.

Nochmals deutlich besser als vor einem Jahr sind die Umsatzerwartungen im Berliner Baugewerbe und im Verarbeitenden Gewerbe. Die meisten pessimistischen Einschätzungen gibt es dagegen im Handel.

Hoch ist weiter der Personalbedarf der kleinen und mittleren Unternehmen. Gut ein Drittel der Befragten (33,9 Prozent) will die Zahl der Mitarbeiter im Jahresverlauf 2018 aufstocken (Vorjahr: 32,5 Prozent). Nur 5,0 Prozent der Unternehmen haben eine Verkleinerung des Personalbestandes angekündigt (Vorjahr: 5,7 Prozent). Überdurchschnittlich expansiv sind die Personalplanungen im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Baugewerbe. Dabei dürften auf die Unternehmen allerdings verstärkte Anstrengungen bei der Personalsuche zukommen.

Auch die Investitionsbereitschaft der Berliner Wirtschaft ist höher als im Vorjahr. 54,4 Prozent der Befragten planen Investitionen (Vorjahr: 50,2 Prozent). Dabei stehen mehrheitlich Erweiterungsinvestitionen auf der Agenda (64,2 Prozent der investierenden Unternehmen). Am investitionsfreudigsten zeigten sich einmal mehr die Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe.

Die kleinen und mittleren Unternehmen können mit der Ertragslage weitgehend zufrieden sein. Jeder zweite Befragte (49,7 Prozent) verbuchte für das Jahr 2017 eine Ertragssteigerung und knapp ein Sechstel der Befragten (16,0 Prozent) mussten Einbußen hinnehmen. Die Ertragserwartungen im Mittelstand für 2018 sind ebenfalls sehr zuversichtlich. 41,3 Prozent der Befragten rechnen mit steigenden Erträgen im laufenden Jahr. Dieser Prozentanteil liegt im Bereich des Vorjahreswertes und erneut deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Finanzierungsbedingungen bleiben sehr gut

Die Berliner Wirtschaft ist weiterhin gespalten in eigenkapitalschwache (28,8 Prozent der Befragten) und eigenkapitalstarke (27,9 Prozent) Unternehmen, die eine Eigenkapitalquote von mindestens 30 Prozent aufweisen. Dabei nahm die Zahl der Unternehmen, deren Eigenkapitalquote weniger als 10 Prozent beträgt und die deshalb als eigenkapitalschwach gelten, gegenüber dem Vorjahr leicht zu. Besonders im Handel und im Baugewerbe war dieser Trend zu beobachten. Möglicherweise haben die Unternehmen die historisch günstigen Kreditbedingungen genutzt, um Vermögenswerte vermehrt mit Fremdkapital zu finanzieren.

Die aktuellen Finanzierungsbedingungen werden von vielen befragten Unternehmen (37,4 Prozent) als sehr gut bzw. gut bezeichnet. Dieser Anteil hat sich gegenüber dem Vorjahr (33,7 Prozent) erhöht. Vor allem bei kleinen Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten war das der Fall. Nur 8,8 Prozent der Berliner Unternehmen - und damit so wenig wie noch nie seit Beginn dieser Befragung - nehmen die Finanzierungsbedingungen als ungenügend bzw. mangelhaft wahr.

Hauptfinanzierungsquellen der kleinen und mittleren Unternehmen sind die Einnahmen aus dem laufenden Geschäft (83,1 Prozent), gefolgt von Gewinnrücklagen und Bankkrediten, die rund vier von zehn Berliner Unternehmen (39,5 bzw. 38,4 Prozent) nutzen. Für den Handel und die Dienstleister hatten Bankkredite zuletzt eine höhere Bedeutung als im Vorjahr. Öffentliche Fördermittel nutzt etwa jedes achte Unternehmen im Mittelstand (12,2 Prozent). Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe werden diese eingesetzt (22,2 Prozent).

Im Fokus 2018: Kooperationen

Kooperationen bieten den knapp 180.000 Berliner KMU große Chancen. Sie können dadurch der Wirtschaftsmacht größerer Unternehmen begegnen und ihre Produktivität durch Arbeitsteilung und Synergien erhöhen. Fast 40 Prozent der Berliner KMU sind bereits Kooperationen eingegangen (39,4 Prozent), wobei der Anteil im Dienstleistungsbereich mit 47,3 Prozent am größten ist. Im Handel ist der Anteil mit 26,4 Prozent und im Baugewerbe mit 32,4 Prozent unterdurchschnittlich. Mehr als die Hälfte der Unternehmen mit Kooperationserfahrungen berichten über Umsatzsteigerungen. Im Baugewerbe ist der Anteil der Unternehmen, die einen verbesserten Personaleinsatz verzeichnen, mit 57,1 Prozent besonders groß. Als Kooperationspartner sind in erster Linie etablierte Unternehmen gefragt (42,3 Prozent). Deutlich weniger Unternehmen können es sich vorstellen, eine Bietergemeinschaft bzw. Arbeitsgemeinschaft einzugehen (27,9 Prozent) und nur für rund 22 Prozent der Befragten wäre die Kooperation mit einem Start-up interessant. 35 Prozent der befragten Unternehmen haben kein Interesse an einer Kooperation, wobei eine befürchtete Abhängigkeit von Dritten unter den Ablehnungsgründen ganz oben steht.

Über Creditreform:

Creditreform verfügt über die weltweit größte Datenbank deutscher Unternehmen, verbindet Tradition und Innovation und schafft damit die Basis für sichere, unternehmerische Entscheidungen. Die Produkte aus den Sparten Wirtschaftsinformationen, Risikomanagement, Inkasso, Marketing- und Datendienste werden von ca. 155.000 Kunden europaweit genutzt. Mit über 4.300 Mitarbeitern und 129 selbstständigen Geschäftsstellen allein in Deutschland steht Creditreform Kunden aller Branchen zur Verfügung.

Creditreform Berlin Brandenburg Wolfram KG beschäftigt in Berlin, Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) insgesamt 177 Mitarbeiter, die über 5.600 regionale Kunden betreuen. Jährlich werden ca. 416.000 Wirtschaftsauskünfte erteilt und mehr als 205.000 Inkassoforderungen bearbeitet.

Über die Investitionsbank Berlin (IBB):

Die Investitionsbank Berlin ist die Förderbank des Landes Berlin mit den Geschäftsfeldern Wirtschafts- und Immobilienförderung. In der Wirtschaftsförderung verfügt die IBB über ein breites Programmangebot mit Darlehen, Beteiligungen und Zuschüssen zur Förderung von Gründungsvorhaben, Wachstumsinvestitionen und technologischen Innovationen.

Im Geschäftsjahr 2017 erteilte die IBB in der Wirtschaftsförderung Finanzierungszusagen im Volumen von 294 Mio. Euro zur Förderung von rund 1.000 Unternehmen in der Hauptstadt. Von diesen Zusagen entfielen rund 108 Mio. Euro auf Zuschüsse und 186 Mio. Euro auf Darlehen und Beteiligungen.

KMU-Report Berlin 2018

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