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Berlins Startup-Ökosystem in neuer Entwicklungsphase: Wachstum wird breiter und belastbarer

 Berlin

4.137 aktive Startups bilden eines der größten Ökosysteme Deutschlands

  • Jedes Jahr durchschnittlich 345 Startups seit 2022 gegründet
  • VC-Markt konsolidiert sich: Zahl der Finanzierungsrunden seit 2022 um 22,5 % rückläufig; Stabilisierung seit 2024 erkennbar
  • Beschäftigungsmotor bleibt intakt: Rund 82.000 Arbeitsplätze in Berliner Startups
  • Strukturwandel sichtbar: Bereits 71 % der Startups mit B2B-Bezug, Deep Tech gewinnt an Bedeutung

Berlin bleibt Deutschlands wichtigster Startup-Standort. Die neue Startup-Standortbilanz der Investitionsbank Berlin (IBB) zeigt jedoch, dass sich das Ökosystem in einer neuen Entwicklungsphase befindet. Nach den Rekordjahren niedriger Zinsen und außergewöhnlich hoher Risikokapitalinvestitionen stehen heute nicht mehr allein Finanzierungsvolumina im Mittelpunkt. Entscheidend werden die Fähigkeit zur Skalierung, die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze und die langfristige Verankerung technologischer Wertschöpfung am Standort. Trotz der internationalen Korrektur an den Venture-Capital-Märkten verfügt Berlin weiterhin über ein belastbares Netzwerk aus Wissenschaft, Talenten, Kapitalgebern und tausenden innovativen Unternehmen.

Franziska Giffey, Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe: „Berlin ist Deutschlands Startup-Hauptstadt und unser Ökosystem ist längst erwachsen geworden. Rund 82.000 Menschen arbeiten heute in Berliner Startups. Das zeigt, welche Bedeutung sie für Wachstum, Innovation und Beschäftigung in unserer Stadt haben. Mit der Startup Agenda Berlin 2022–2026 haben wir gemeinsam mit der Startup-Szene die Grundlage für eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit geschaffen und sind zugleich unserem Ziel nähergekommen: Berlin zum Innovationsstandort Nummer 1 in Europa zu machen. In den vergangenen Jahren haben wir mit gezielten Förderprogrammen wie dem Berliner Startup Stipendium und dem neuen Pre-Seed-Fonds B# für Ausgründungen aus der Wissenschaft die Unterstützung für Startups ausgebaut und die Rahmenbedingungen für Gründung und Wachstum sichtbar verbessert.“

Dr. Hinrich Holm, Vorsitzender des Vorstands der IBB: „Berlin hat den Übergang von einem reinen Gründungsstandort zu einem gereiften Startup-Ökosystem vollzogen. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob einzelne Rekordinvestitionen erzielt werden, sondern ob Unternehmen erfolgreich wachsen, neue Technologien in den Markt bringen und dauerhaft Wertschöpfung in der Hauptstadt aufbauen. Dafür müssen Finanzierung, Wissenschaft, Infrastruktur und Marktzugang noch stärker zusammengedacht werden, denn aktuell stoßen besonders wachstumsstarke Deep Tech Startups in kapitalintensiven Branchen sowie Scale-ups noch zu oft auf Finanzierungslücken zwischen VC und klassischer Bankfinanzierung.“

Weniger Kapital, aber keine Schwäche des Standorts

Die Studie der IBB zeigt, dass sich der Berliner Venture-Capital-Markt deutlich verändert hat. Nach 515 Finanzierungsrunden im Jahr 2022 wurden 2025 noch 399 Runden registriert. Gleichzeitig sank die Zahl der finanzierten Unternehmen von 471 auf 340. Auch das investierte Kapital ging gegenüber den Höchstständen der Boomjahre deutlich zurück: Nach 4,9 Mrd. Euro im Jahr 2022 belief sich das Finanzierungsvolumen 2025 auf 2,4 Mrd. Euro. Ursache ist jedoch kein Berliner Sonderweg, sondern eine internationale Konsolidierung der Technologie- und Kapitalmärkte nach dem Ende der Niedrigzinsphase.

Die Volkswirte der IBB stellen zudem fest, dass sich das Finanzierungsgeschehen zunehmend auf frühe Unternehmensphasen konzentriert. Während Seed- und Frühphasenfinanzierungen weniger stark zurückgingen, sind Anschluss- und Scale-up-Finanzierungen deutlich seltener geworden. Gerade für technologieintensive Wachstumsunternehmen und Deep Tech-Gründungen stellt dies eine Herausforderung dar, da ihr Kapitalbedarf mit zunehmender Unternehmensreife häufig stark ansteigt. Die Entwicklung steht für eine stärkere Selektivität der Investoren und eine kritischere Prüfung von Geschäftsmodellen und Wachstumsperspektiven.

Beschäftigung zeigt die wirtschaftliche Substanz des Ökosystems

Ein umfassenderes Bild ergibt sich beim Blick auf die Beschäftigung. Die Zahl der Arbeitsplätze in Berliner Startups stieg von rund 51.000 im Jahr 2022 auf etwa 82.000 im Jahr 2025. Gleichzeitig besitzt die Digitalwirtschaft für Wachstum und Beschäftigung in Berlin weiterhin eine hohe Bedeutung. Ihre Unternehmen erwirtschaften Umsätze von rund 39,4 Mrd. Euro und haben seit 2008 knapp 105.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Die Unternehmensdaten zeigen zudem, dass Berlin längst nicht mehr nur aus jungen Kleinstunternehmen besteht. Bereits 295 aktive Startups beschäftigen mehr als 50 Mitarbeitende, 58 Unternehmen sogar mehr als 200 Personen. Damit ist eine relevante Schicht gewachsener Arbeitgeber entstanden, die das Fundament des Startup-Standorts stärkt.

B2B und Deep Tech prägen die nächste Wachstumsphase

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist der deutliche Wandel der Geschäftsmodelle. Insgesamt 71 % der Berliner Startups richten sich inzwischen ganz oder teilweise an Geschäftskunden. Besonders bei jüngeren Gründungsjahrgängen hat die B2B-Orientierung deutlich zugenommen. Damit entwickelt sich Berlin zunehmend zu einem Standort für Lösungen für Unternehmen, einzelne Branchen und öffentliche Einrichtungen.

Gleichzeitig rücken Deep Tech-Gründungen stärker in den Fokus. Mit seinen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Zukunftsorten verfügt Berlin über gute Voraussetzungen, wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Produkte zu überführen. Entscheidend wird jedoch sein, ob ausreichend Wachstumskapital, Labor- und Testinfrastrukturen sowie geeignete Pilotprojekte zur Verfügung stehen. Nur dann können aus Forschungsprojekten dauerhaft erfolgreiche Unternehmen und neue Wertschöpfung für den Standort entstehen.

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