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Berlin Konjunktur – Hauptstadt robust trotz geopolitischer Spannungen

 Berlin

Wirtschaftswachstum 2026 erreicht voraussichtlich 1,5 %

  • Trendwende am Bau: Baugenehmigungen steigen massiv um +40,7 %
  • Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe legen um 53,7 % zu

Die Berliner Wirtschaft zeigt sich weiterhin robust, während die deutsche seit nunmehr vier Jahren stagniert. Mit einem Wachstum von 1,1 % übertraf die Hauptstadt bereits zum dreizehnten Mal in Folge den Bundestrend. Aufgrund neuer Preisrisiken im Energiesektor haben die Volkswirte der Investitionsbank Berlin (IBB) ihre Wachstumserwartung für das Jahr 2026 jedoch von ursprünglich 1,8 % auf nunmehr 1,5 % gesenkt. Die aktuelle Ausgabe der „Berlin Konjunktur“ beleuchtet, welche Branchen die geopolitischen Spannungen besonders treffen und wo die Chancen für eine nachhaltige Erholung liegen.

Hinrich Holm, Vorsitzender des Vorstands der IBB: „Berlins Wirtschaft hat in den vergangenen zehn Jahren eine bemerkenswerte Widerstandskraft bewiesen. Aktuell belasten jedoch geopolitische Spannungen im Nahen Osten sowie die damit verbundene Unsicherheit bei den Energiepreisen die globale Stimmung und die hiesige Wirtschaft. Umso wichtiger ist es, am Standort mit klugen Investitionen gegenzusteuern – in den Wohnungsbau, die Digitalisierung und insbesondere in die klimaneutrale Transformation der Wirtschaft. Diese Transformation ist kein Selbstzweck: Sie stärkt unsere Resilienz gegenüber Energiepreisschwankungen, indem sie die Abhängigkeit von fossilen Importen reduziert.“

Geopolitik belastet

Die Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sowie die Blockade der Straße von Hormus bringen weltweite Unsicherheit und belasten die Energiepreise. Zwar profitieren Berliner Unternehmen noch von langfristigen Lieferverträgen bei Gas und Strom, dennoch stiegen die Kraftstoffpreise seit Ende Februar 2026 sprunghaft um 25,1 % und belasten die Berliner Haushalte.

Bereits 2025 verzeichnete die spezialisierte Berliner Industrie 2025 einen leichten Umsatzrückgang um 1,3 % auf 34 Mrd. Euro. Da die Industrie am Berliner Bruttoinlandsprodukt einen im Bundesvergleich eher geringen Anteil hat, bleiben die Abwärtsrisiken für die Gesamtwirtschaft zwar vorhanden, werden aber durch Dienstleistungssektoren abgefedert. Nach einem preisbereinigten Umsatzwachstum von 5,3 % im Jahr 2025 verzeichnen die Berliner Dienstleistungsbereiche auch im Januar 2026 einen Zuwachs von 2,5 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Trendwende in der Bauwirtschaft

Auch in 2026 dürfte das Baugewerbe nach Auskunft der IBB-Volkswirte ein wichtiger Treiber der Berliner Entwicklung bleiben. Im Jahr 2025 hatte die Branche der konjunkturellen Schwäche getrotzt, die Baugenehmigungen für Wohnungen stiegen nach langer Talfahrt um 40,7 % auf 13.754 Einheiten. Zum Jahresauftakt 2026 setzte sich dieser Trend bei den Genehmigungen mit einem leichten Plus von 3,5 % fort, während die Umsätze im Bauhauptgewerbe witterungsbedingt oder aufgrund hoher Baupreise (+4,9 %) im Januar und Februar zunächst noch nachgaben (-29,3 %). Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe stiegen im Jahr 2025 auf 4,3 Mrd. Euro, ein Zuwachs von 53,7 % im Vergleich zum Vorjahr. Insbesondere der Wohnungsbau konnte mit einem Auftragsvolumen von 1,5 Mrd. Euro 2025 einen deutlichen Anstieg verzeichnen (+85,3 %).

Arbeitsmarkt tritt auf der Stelle

Die Arbeitslosenquote in Berlin stieg im April 2026 um 0,1 Prozentpunkte von 10,5 auf 10,6 %, insgesamt meldet die Bundesagentur für Arbeit 225.360 Arbeitslose. Der Abstand zur bundesdeutschen Arbeitslosenquote (6,4 %) steigt somit auf 4,2 Prozentpunkte. Zugleich sank die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Februar 2026 um 4.646 bzw. -0,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Mit einem Einbruch am Berliner Stellenmarkt um 12,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat auf lediglich 19.414 gemeldete Arbeitsstellen deutet sich eine zunehmende Abschwächung der Nachfrageseite des Arbeitsmarktes an.

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