Berlin Fokus: Hauptstadt bleibt führender Fintech-Hub Deutschlands
Berlin
Berlin beheimatet 185 Fintechs – mehr als München, Frankfurt, Hamburg und Köln zusammen (141 Fintechs)
- Berliner Fintechs erhielten 2025 rund 310 Mio. Euro Risikokapital, insbesondere in Banking, Versicherung und Vermögensverwaltung
- Rund 80 % der wachstumsstarken deutschen Fintech-Scale-ups sind in Berlin ansässig
Berlin behauptet sich unangefochten als Deutschlands führende Fintech-Metropole, trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds mit Konsolidierungen und Insolvenzen. Die Hauptstadt vereint eine hohe Dichte innovativer Unternehmen mit einer dynamischen Investitionslandschaft und einem robusten Arbeitsmarkt. Eine aktuelle Studie der Volkswirte der Investitionsbank Berlin (IBB) zeigt, wie der Trend zur Profitabilität die Branche umgestaltet und Berlin seine Rolle als Experimentierraum für die nächste Entwicklungsphase der Finanztechnologie weiter ausbaut.
Dr. Sebastian Schäfer, CEO, House of Finance and Tech Berlin GmbH: „Die Zahlen der IBB belegen, dass Berlin seine Rolle als Fintech-Hauptstadt behauptet – und beste Voraussetzungen bietet für die Finanzinnovationen und neuen Marktgestalter von morgen. Genau hier setzt das HoFT an; als Ort, an dem etablierte Finanzinstitute und aufstrebende Fintechs zusammenkommen, um gemeinsam voranzukommen. Mit unserem neuen Campus in der Backfabrik haben wir dafür nun auch einen physischen Rahmen geschaffen.“
Hinrich Holm, Vorsitzender des Vorstands der IBB: „Die Finanztechnologiebranche erweist sich als ausgesprochen wandelbar. Statt extremem Wachstum fordern Investor:innen nun klare Wege zur Profitabilität. Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus auf substanzielle KI-Anwendungen, wie im Agentic Banking oder bei Embedded-Finance-Lösungen. Mit gezielten Initiativen wie dem House of Finance & Tech Berlin (HoFT GmbH) stärken wir den Wissenstransfer und verbessern die Standortfaktoren in einem konsolidierenden Markt. So stellen wir sicher, dass Berlin seine Führungsrolle als Fintech-Hauptstadt auch künftig behauptet.“
Strukturwandel und technologische Trends
Mit derzeit 185 aktiven Fintechs und 10.044 Beschäftigten bleibt Berlin nach Einschätzungen der IBB-Volkswirte der mit Abstand bedeutendste Standort in Deutschland. Die Struktur wird von einigen großen Scale-ups geprägt, die Kapitalzuflüsse und Arbeitsplätze bündeln, während zahlreiche kleine Unternehmen den technologischen Kern des Ökosystems bilden. So stellen allein die zehn größten Arbeitgeber rund 41 % aller Fintech-Beschäftigten der Stadt. Zudem beherbergt Berlin 23 der 29 deutschen Scale-ups mit Bewertungen zwischen 100 Mio. und einer Mrd. Euro.
Strukturell nimmt der Bereich Unternehmenssoftware mit 18 % (34 Unternehmen) den größten Anteil ein. Dieser breite „Maschinenraum“ an B2B-Anbietern stützt das Ökosystem maßgeblich. Technologisch rücken sogenannte Agentic-Banking-Modelle in den Fokus, bei denen autonome KI-Agenten operative Aufgaben übernehmen. Parallel verlagert sich Embedded Finance zunehmend in Richtung B2B-Anwendungen.
Rückkehr zur Profitabilität
Obwohl Unternehmen in der Wachstumsphase spürbar unter Druck gerieten, zog der Berliner Markt 2025 in 32 Runden immer noch ein Finanzierungsvolumen von mindestens 310 Mio. Euro an. In den vergangenen zehn Jahren summierten sich die Investitionen in Berlin auf mindestens 4,6 Mrd. Euro. Nach Analyse der IBB-Volkswirte agierten Investor:innen insgesamt selektiver und legten verstärkt Wert auf belastbare Geschäftsmodelle und regulatorische Robustheit. Besonders etablierte Late-Stage-Unternehmen und junge, KI-getriebene Start-ups verzeichneten weiterhin hohe Kapitalzuflüsse.
Vor diesem Hintergrund beginnt sich das Leitbild zu wandeln: Das sogenannte Zebra-Modell, bei dem Start-ups auf langfristige Profitabilität, Bootstrapping und Kooperationen setzen, gewinnt gegenüber dem reinen „Unicorn-Wachstum“ an Bedeutung. Während der Kapitalzugang insbesondere in frühen Phasen und bei Skalierungsschritten herausfordernd bleibt, intensiviert sich die Zusammenarbeit zwischen etablierten Finanzinstituten und Fintechs.
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