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Berlin behauptet sich als unangefochtener Mittelpunkt der deutschen Fintech-Branche. Mit 185 aktiven Fintechs übertrifft die Hauptstadt München, Frankfurt, Hamburg und Köln zusammen, die gemeinsam auf lediglich 141 Unternehmen kommen. Die 10.044 Beschäftigten im Berliner Fintech-Sektor konzentrieren sich dabei deutlich auf die größten Akteure: Die zehn stärksten Arbeitgeber allein stellen rund 41 % aller Stellen. Gleichzeitig bilden zahlreiche kleinere Unternehmen den technologischen Kern des Ökosystems. 80 % der wachstumsstarken deutschen Fintech-Scale-ups sind in Berlin ansässig, darunter 23 der 29 deutschen Unternehmen mit Bewertungen zwischen 100 Mio. und einer Mrd. Euro.
Strukturell nimmt der Bereich Unternehmenssoftware mit 34 Unternehmen und einem Anteil von 18 % die führende Position ein. Dieser breite B2B-Sockel stützt das Ökosystem als Ganzes und schafft eine robuste Grundlage auch in einem konsolidierenden Marktumfeld. Technologisch gewinnen „Agentic Banking"-Modelle an Relevanz, bei denen autonome KI-Agenten zunehmend operative Aufgaben in der Finanzdienstleistung übernehmen. Parallel rücken Embedded-Finance-Lösungen und B2B-Anwendungen stärker in den Fokus.
Trotz eines herausfordernden Umfelds, geprägt von Konsolidierungen und einzelnen Insolvenzen, zog Berlin im Jahr 2025 in 32 betraglich verifizierten Runden ein Finanzierungsvolumen von mindestens 310 Mio. Euro an. Die kumulierten Investitionen der vergangenen zehn Jahre belaufen sich auf mindestens 4,6 Mrd. Euro. Investoren agieren dabei zunehmend selektiv: Gefragt sind belastbare Geschäftsmodelle, regulatorische Robustheit und klare Wege zur Profitabilität. Besonders etablierte Late-Stage-Unternehmen sowie KI-getriebene Startups verzeichnen weiterhin starke Kapitalzuflüsse. Das sogenannte Zebra-Modell, das auf langfristige Rentabilität, Bootstrapping und Kooperationen setzt, gewinnt gegenüber dem klassischen Unicorn-Wachstumsansatz an Bedeutung. Die Zusammenarbeit zwischen etablierten Finanzinstituten und Fintechs intensiviert sich dabei spürbar.
Berlins Führungsposition relativiert sich auch im größenbereinigten Vergleich nicht. Bezogen auf je 10.000 Erwerbstätige weist die Hauptstadt mit 8,5 Fintechs die höchste Standortintensität aller deutschen Metropolen auf, vor Frankfurt (5,5) und München (4,5). Bei den Fintech-Beschäftigten je 10.000 Erwerbstätige bestätigt sich das Bild: Berlin erreicht einen Wert von 45,9, gegenüber 32,2 in Frankfurt und 15,8 in München. Besonders deutlich fällt der Abstand beim kumulierten Finanzierungsvolumen je Erwerbstätigen aus: Berlins Führungsrolle ist damit nicht allein auf die Stadtgröße zurückzuführen, sondern spiegelt eine strukturell höhere Kapitalintensität eines etablierten, gut eingeschwungenen Ökosystems wider.
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