22.09.2016 , Berlin

Konjunktur in Berlin wächst 2016 voraussichtlich um 3 Prozent!

Das Wachstum in der Hauptstadt war im ersten Halbjahr so stark wie seit Jahren nicht. Trotz abflachender deutschlandweiter Entwicklung weisen in Berlin nahezu alle Wirtschaftsbereiche einen ungebrochen dynamischen Verlauf auf. So dürfte das Wachstumstempo in der Hauptstadt im zweiten Halbjahr mit 2,9% mehr als doppelt so stark ausfallen wie im bundesdeutschen Durchschnitt (+1,2%). Für das gesamte Jahr 2016 ergibt die Hochrechnung der bisher vorliegenden Daten eine Steigerung der Berliner Gesamtleistung von rund 3% (Deutschland: +1,9%).

Vor allem die Bauwirtschaft läuft derzeit auf Hochtouren. So konnten die Auftragseingänge des Bauhauptgewerbes in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 63,6% auf 1,4 Mrd. EUR gesteigert werden. Das monatliche Auftragsniveau liegt derzeit bei 242 Mio. EUR und damit 15% über dem langfristigen Durchschnitt von 210 Mio. EUR Bauaufträgen pro Monat. Dr. Jürgen Allerkamp, Vorsitzender des Vorstands der IBB: „Die Stadt wächst und die Bauwirtschaft erlebt gerade einen enormen Aufschwung, der an die 90er Jahre erinnert. Im Umfeld von historisch niedrigen Bauzinsen sowie knappem Wohnraum sind die Auftragsbücher der Bauunternehmen prall gefüllt. Viele Unternehmen arbeiten bereits an ihrer Kapazitätsgrenze.“

Um jedoch dauerhaft mehr zu produzieren, muss das Berliner Produktionspotenzial ausgeweitet werden. Dazu müssen die Unternehmen mehr investieren. Die Unternehmen der Bauwirtschaft werden demnach in den kommenden Monaten nicht umhin kommen mehr Personal einzustellen und Investitionen in ihren Maschinenpark vorzunehmen. Das wiederum dürfte sich ab 2017 vor allem im Wohnungsbau in einer verstärkten Bautätigkeit niederschlagen. Denn derzeit befinden sich die noch nicht abgeschlossenen Bauprojekte (Bauüberhang) mit 42.000 fast wieder auf dem hohen Niveau von 1995 (45.000). Die IBB erwartet, dass sowohl die private Wirtschaft als auch die staatliche Seite ihre Investitionen in den kommenden Monaten deutlich erhöhen. Aber nicht nur der Bau wird einen positiven Effekt auf die Entwicklung der Investitionen entfalten. Die IBB-Volkswirte rechnen damit, dass die Ausrüstungsinvestitionen insgesamt in Berlin deutlich an Fahrt gewinnen. Die Chancen stehen sehr gut, dass die wachsende Hauptstadt vor einem Jahrzehnt stark steigender Investitionen steht. Das könnte die Hauptstadt dauerhaft auf einen höheren Wachstumspfad bringen und weiterhin überdurchschnittliche Wachstumsraten sichern. Voraussetzung dafür ist aber, dass dabei nicht nur auf die Quantität, sondern auf die Qualität gesetzt wird und Berlin vor allem mehr in die Verkehrsinfrastruktur und in die digitale Infrastruktur investiert.

Ausschlaggebend für das kräftige Wachstum in Berlin waren vielfältige Entwicklungen: Niedrige Zinsen, eine nach wie vor wachsende Bevölkerung, ein boomender Tourismus, kräftige Lohn- und Rentenerhöhungen, eine hohe Konsumneigung sowie der Bauboom haben der Konjunktur kräftige Impulse verschafft. Aber auch das Wachstum im Außenhandel trug dazu bei. Ebenso die Umsätze im unternehmensnahen Dienstleistungsbereich. Wieder Fahrt aufgenommen hat vor allem der für Berlin wichtige Bereich Information und Kommunikation. Vor allem die Digitalwirtschaft wächst mit einer Steigerungsrate von mehr als 12% weiterhin sehr kräftig. Zudem hat sich die Auftragslage der Berliner Industrieunternehmen, nach deutlichen Rückgängen in den Vorquartalen, im ersten Halbjahr 2016 sehr dynamisch entwickelt (+11,1%).

Andererseits sind aber auch die Risiken markant gestiegen: Dazu gehören die sich nur langsam entspannende Krise im Euroraum, das Votum der Briten für den Austritt aus der EU, das anstehende Referendum in Italien, die Gefahr protektionistischer Schritte der USA sowie die geopolitischen Konflikte im Nahen Osten und die Unsicherheiten über die wirtschaftliche Entwicklung wichtiger Schwellenländer.

Berlin, den 20. September 2016

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