14.12.2016 , Berlin

IBB rechnet 2017 für Berlin mit Wachstum von 2,2%

Die Investitionsbank Berlin (IBB) hält 2017 ein Wachstum der Berliner Wirtschaft von 2,2% Prozent für möglich. Nach Einschätzung der IBB-Volkswirte wächst die Beschäftigung sogar noch stärker: hier wird mit einer Zunahme von 3,2% gerechnet. Beides wären überdurchschnittliche Raten, denn beim Wachstum sehen die Volkswirte der IBB deutschlandweit eine Zunahme um 1,0% und bei der Beschäftigung 1,5%. Voraussetzung für diese positiven Einschätzungen ist, dass sich das internationale Umfeld nicht weiter verdüstert.

Derzeit kommen die größten Wachstumsimpulse aus dem Baubereich, wo viele Unternehmen bereits an ihrer Kapazitätsgrenze arbeiten, sowie aus den unternehmensnahen Dienstleistungen, die in den ersten drei Quartalen 2016 bereits 6,7% mehr Beschäftigte eingestellt haben. Vor allem in den Wachstumsbranchen der Digitalen Wirtschaft wurde das Personal zuletzt deutlich aufgestockt (+8,9%). In diesen Branchen wird inzwischen auf Vorrat eingestellt, weil gut ausgebildete Mitarbeiter für spezifische IT-Themen immer schwerer zu finden sind.

Rückenwind von öffentlichen Investitionen

Verstärkten Rückenwind wird die Berliner Wirtschaft 2017 zudem von den im Koalitionsvertrag genannten überfälligen öffentlichen Investitionen bekommen. „In den vergangenen Jahren hat sich Berlin mit Investitionen eher zurückgehalten. Ein Schließen der Investitionslücke könnte bereits kurzfristig zu einem deutlich höheren Wirtschaftswachstum führen“, sagt Dr. Jürgen Allerkamp, Vorsitzender des Vorstandes der IBB.

Würden zudem alle in der Koalitionsvereinbarung genannten Investitionen auch tatsächlich getätigt, so würde es in den nächsten Jahren nach einer Modellrechnung der IBB-Volkswirte aufgrund von Multiplikatorwirkungen zu einer Steigerung der Berliner Wirtschaftsleistung von rund 1,9 Mrd. Euro bzw. rund 1-Prozentpunkt mehr BIP und rund 10.500 neuen Arbeitsplätzen pro Jahr kommen. Dabei werden die Investitionen der öffentlichen Hand Anreize für ein langfristiges privatwirtschaftliches Engagement in Berlin schaffen. Letztlich werden Investitionen vor allem aus dem privaten Sektor kommen müssen. „Das gelingt aber nur, wenn zusätzliche Ausgaben gezielt in wachstumsfördernde Bereiche, etwa Bildung und Infrastruktur, umgeschichtet werden“, so Dr. Jürgen Allerkamp.

Neue Jobmöglichkeiten auf Berliner Arbeitsmarkt

In Berlin sind zwar immer noch knapp 171.000 Arbeitslose gemeldet, doch bietet der Berliner Arbeitsmarkt inzwischen vielen Menschen Beschäftigungsmöglichkeiten. Knapp 24.000 der Berliner Erwerbslosen besitzen eine akademische Ausbildung und haben damit gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Der Akademikeranteil unter den Arbeitsuchenden in Berlin ist mit 14% sogar der höchste in einem Bundesland überhaupt. Aber auch für die 85.000 Arbeitsuchenden ohne Berufsausbildung (Anteil: 49%) bietet der Berliner Arbeitsmarkt mittlerweile Chancen auf einen Arbeitsplatz. Dafür spricht die aktuell hohe Nachfrage nach Arbeitskräften vor allem in den eher unterdurchschnittlich entlohnten Bereichen Verkehr, Logistik und Sicherheit (5.200 offene Stellen) sowie Handel und Gastgewerbe (3.950).

Berliner Wirtschaft trotzt unruhigem Umfeld

In den vergangenen Jahren hat sich die Berliner Wirtschaft insgesamt sehr widerstandsfähig gegenüber einem unruhigen internationalen Umfeld gezeigt. Neben der Brexit-Entscheidung im Vereinigten Königreich und dem gescheiterten Verfassungsreferendum in Italien sind zuletzt Unsicherheiten über die Neuausrichtung der US-Politik nach der Wahl des neuen Präsidenten hinzugekommen. Von den angekündigten Investitionsprogrammen dürfte aber auch die Berliner Exportwirtschaft in den kommenden Jahren profitieren.

Die Rahmenbedingungen für die privaten Konsumausgaben bleiben auch 2017 günstig. Zu nennen ist hier die starke Rentenanpassung, die noch bis in das erste Halbjahr 2017 nachwirkt. Hinzu kommen die steigende Beschäftigung und die gute Entwicklung der verfügbaren Einkommen. So sind die Reallohnzuwächse der vergangenen Jahre und der Mindestlohn in den Portemonnaies der Arbeitnehmer angekommen. Steigende Ölpreise dürften die Haushaltskassen künftig aber wieder stärker belasten.

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