12.10.2015 , Berlin

Der wirtschaftliche Schwung bleibt konstant

Der wirtschaftliche Schwung bleibt Berlin erhalten. Im dritten und vierten Quartal dürfte der Wirtschaftsgang mit Wachstumsraten von 2,5% bzw. 1,9% jedoch etwas wechselhafter verlaufen. Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Krise im Euroraum, geopolitische Krisen im Nahen Osten und Sorgen über die wirtschaftliche Entwicklung wichtiger Schwellenländer können auch auf die Berliner Wirtschaft dämpfend wirken. Alles in allem dürfte nach Einschätzung der IBB-Volkswirte das Berliner Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr dennoch wie prognostiziert um 2,2% zulegen. Der Ausblick auf das 1. Quartal 2016 bleibt mit 2,1% nur unwesentlich unter diesem Niveau.

Damit würde die deutsche Hauptstadt erneut stärker wachsen als Deutschland insgesamt (+1,6%). Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nimmt seit Jahren mit einem deutlich über dem Bundestrend liegenden Tempo zu. Der Berliner Arbeitsmarkt profitiert aktuell vom stark expandierenden Dienstleistungsbereich. Das ist auch nötig, weil Berlin trotz hoher Dynamik in vielen Bereichen noch immer einen enormen Nachholbedarf hat.

Auf dem Berliner Arbeitsmarkt waren Ende Juli rund 40.400 mehr Personen beschäftigt als noch im Vorjahreszeitraum (+3,2%; zum Vergleich Deutschland: +2,0%). Für das Gesamtjahr 2015 kann mit durchschnittlich 1.310.000 Beschäftigten gerechnet werden. Im September 2015 waren in Berlin nur noch 189.610 Arbeitslose gemeldet. Im Jahresdurchschnitt 2015 wird die Zahl auf 195.000 sinken. Allerdings dürfte sich die hohe Zahl der Asylsuchenden nach Einschätzung der IBB-Volkswirte im nächsten Jahr dämpfend auf den bisher stetigen Abbau der Arbeitslosigkeit auswirken. Denn ab dem nächsten Jahr werden vermehrt Flüchtlinge, über deren Asylantrag positiv entschieden wurde, auch in der Arbeitslosenstatistik gezählt. Für das gesamte Jahr 2016 ist daher entgegen der bisherigen Prognose eher mit einer Seitwärtsbewegung der Arbeitslosenzahl in Berlin zu rechnen.

Andererseits wird der Konsum in Berlin im laufenden und vor allem im nächsten Jahr einen zusätzlichen Schub durch die anhaltend hohe Zuwanderung und insbesondere die steigende Zahl von Asylsuchenden erhalten. Legt man 12.000 EUR je Person und Jahr zugrunde, dürfte der Konsum in Berlin 2016 bei erneut rund 40.000 Asylsuchenden kräftige Wachstumsimpulse generieren. Hinzu kommt der nach wie vor stark boomende Berlintourismus – für 2016 kann mit 32 Mio. Übernachtungen gerechnet werden. So werden hohe Konsumausgaben in den kommenden Jahren eine starke Stütze der Berliner Konjunktur bleiben. Davon profitieren vor allem der Berliner Handel und das Gastgewerbe, die mit steigenden Umsätzen rechnen können. In den ersten sieben Monaten 2015 setzten Handel und Gastgewerbe mit 5,7% bzw. 2,8% bereits mehr um als im Vorjahreszeitraum. Damit entwickelt sich vor allem der Handel in der Hauptstadt mehr als doppelt so stark wie im Bundesdurchschnitt (Handel: +2,6%; Gastgewerbe: +1,9%).

Positive Impulse steuert auch die Berliner Industrie bei. In den ersten sieben Monaten stiegen deren Umsätze um 7,5% auf 13,6 Mrd. EUR. Allerdings haben sich die Industriebestellungen bisher eher zögerlich entwickelt. In der Gesamtschau der ersten sieben Monate 2015 musste alles in allem ein Rückgang der Auftragseingänge von 4,7% hingenommen werden, trotz nach wie vor guter Rahmenbedingungen wie günstiger Dollar/Euro-Wechselkurs und niedriger Energiepreise. Dank der Dynamik der Nachfrage aus den USA, dem Nahen Osten und den europäischen Ländern stiegen die Berliner Exporte in den ersten sieben Monaten kräftig um 5,2%. Die Nachfrage aus den Schwellenländern dürfte sich in den kommenden Monaten jedoch abschwächen. Auch die US-Exporte könnten etwas von ihrem hohen Tempo verlieren. Die schwächer als erwartet ausgefallene Abwertung des Euro dürfte die Exportprognose 2016 für Berlin leicht dämpfen.

In der Bauindustrie ist die Stimmung derzeit so gut wie lange nicht mehr. So wurde von Januar bis Juli 2015 mit 1,63 Mrd. EUR insgesamt 6,0% mehr Umsatz erzielt als im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich kann auch für das Jahr 2016 von einer hohen Dynamik im Berliner Baugewerbe ausgegangen werden.

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