24.11.2015 , Berlin

Berliner Witschaft muss mehr investieren

Seit 2005 schwimmt Berlin auf einer Welle der Euphorie. Kaum ein anderes Bundesland hat in diesem Zeitraum eine vergleichbare wirtschaftliche Dynamik gezeigt. Damit das so bleibt, muss in Berlin aber mehr investiert werden!

Nach einer aktuellen Studie der Investitionsbank Berlin (IBB) hält sich die Berliner Wirtschaft mit Investitionen jedoch zurück. Ohne ausreichende Investitionen in Forschung und Entwicklung, neue Produkte und Produktionstechnologien fällt es grundsätzlich schwerer, die Produktivität zu steigern und im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Gerade für den wachsenden Wirtschaftsstandort Berlin wären Investitionen in den heimischen Kapitalstock dringend notwendig. Denn diese tragen dazu bei, die Produktivität der Unternehmen dauerhaft zu steigern, die Produktion weiter zu automatisieren und zu flexibilisieren sowie mit Zulieferern und Abnehmern enger zu verzahnen (Digitale Transformation).

Lediglich in vier Bundesländern wird derzeit noch weniger investiert als in Berlin. Im Jahr 1991 lag die Investitionsquote in Berlin noch bei 21%, zuletzt betrug sie nach starken Rückgängen im Zeitraum 1997 bis 2003 und nur geringfügigen Steigerungen in den Folgejahren lediglich 19,4% und liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt. Wählt man als Ausgangspunkt das Jahr 1991, so hat sich nach Berechnungen der IBB-Volkswirte in Berlin im Vergleich zum Bund jährlich eine Investitionslücke von durchschnittlich 1,8-Prozentpunkte gebildet. Wenn man diese Rückstände über die Jahre kumuliert, wären das rund 32,5 Mrd. Euro. Das entspricht ca. 28% des aktuellen Berliner Bruttoinlandsprodukts.

Ein Schließen der Investitionslücke könnte auf mittlere Sicht zu einem deutlich höheren Wirtschaftswachstum führen. Das würde nicht nur helfen, die Staatsschulden zu reduzieren, sondern über eine höhere Arbeitsproduktivität auch ein stärkeres Lohnwachstum ermöglichen. Legt man als Vergleichsmaßstab die Investitionsquote Deutschlands zugrunde, dann fehlen in Berlin jedes Jahr Investitionen in Höhe von rund 1,5 Mrd. Euro. Dr. Jürgen Allerkamp, Vorsitzender des Vorstandes der IBB: „Würden diese Investitionen nachgeholt, so führten sie nach Modellrechnungen der IBB-Volkswirte aufgrund von Multiplikatorwirkungen zu einer Steigerung der Berliner Wirtschaftsleistung von rund 1,9 Mrd. EUR und zu rund 10.500 neuen Arbeitsplätzen pro Jahr.“ Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Berliner oder auswärtige Investoren handelt.

Letztlich müssen diese Investitionen wegen der Verschuldungslage des Landes zwangsläufig auch aus dem privaten Sektor kommen. Für die öffentliche Hand geht es darum, die nötigen Anreize für ein langfristiges privatwirtschaftliches Engagement in Berlin zu schaffen. Hier bieten das Land Berlin und die IBB bereits eine Menge. So sind über das Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt (SIWA) knapp 500 Mio. Euro für die Bereiche Bildung und Verkehrsinfrastruktur vorgesehen. Zudem stehen in diesem Jahr aus dem Programm „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) Zuschüsse von 100 Mio. Euro für Investitionen zur Verfügung. Das Programm kann von bestehenden Unternehmen aber auch für Existenzgründungen genutzt werden. Eine Programmerweiterung stellt aktuell die verstärkte Nutzung des Angebots für Unternehmen der Digitalwirtschaft sicher, die gerade für Berlin von großer Bedeutung sind, und die damit ihre Gründung oder auch ihr weiteres Wachstum finanzieren können.

Ansprechpartner