16.02.2017 , Berlin

Berlin bleibt weiter Brennpunkt für Wagniskapital

Berlin bleibt weiter eine Metropole für Wagniskapital. Insgesamt 220 VC-Finanzierungsrunden liefen 2016 in der Hauptstadt. Das waren acht Runden mehr als im Jahr zuvor. Das geht aus einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young hervor. Zweimal im Jahr nimmt das Unternehmen Risikokapitalinvestitionen in Europa unter die Lupe. Die Bedeutung und der Spitzenplatz Berlins als Wagniskapital-Zentrum in Deutschland wird dadurch unterstrichen, dass nahezu die Hälfte der insgesamt 486 (Vorjahr 417) VC-Finanzierungsrunden in der Bundesrepublik auf die Hauptstadt entfielen. Der Studie zufolge entwickelte sich der Trend vor allem hin zu kleineren und mittelgroßen Deals (bis 10 Mio. Euro). Deren Zahl stieg im Vergleich zu 2015 deutlich von 210 auf 319. Stark gesunken ist die Zahl der großen Transaktionen im Volumen von mehr als 50 Mio. Euro – von zwölf auf sechs.

Dieser Trend erklärt teilweise auch, warum das Gesamtvolumen der der VC-Investitionen in Berlin 2016 rückläufig war. „Zwar ist das in Berlin investierte Wagniskapital von 2,2 Mrd. Euro in 2015 auf 1,1 Mrd. Euro in 2016 um rund die Hälfte zurückgegangen", sagt Dr. Jürgen Allerkamp, Vorsitzender des Vorstandes der IBB. „Das lässt sich aber auf wenige außergewöhnlich hohe Transaktionen im Bereich des Online-Handels in 2015 zurückführen und ist bei weitem nicht der Anfang vom Ende des Gründerbooms in Berlin.“ Vielmehr handele es sich um ein Symptom eines weltweiten Rückgangs bei Wagniskapitalfinanzierungen, auch aufgrund der vermehrten politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten. „Besonders erfreulich ist, dass Berlin in Deutschland die Finanzierungsrunden bei FinTechs mit weitem Abstand anführt. Nicht zuletzt deshalb ist Berlin als einziger der fünf bundesweiten Hubs für zwei Themen ausgewählt worden - Internet of Things (IoT) und FinTech“, erklärt Dr. Allerkamp.

Die IBB spielt bei der Vergabe von Wagniskapital in Berlin mit ihrer Tochter, der IBB Beteiligungsgesellschaft mbH, eine bedeutende Rolle und verfügt so über eigene Erfahrungen mit VC-Finanzierungen in Berlin. "Aus Sicht unserer Beteiligungsgesellschaft war das seit einigen Jahren große Interesse nationaler und internationaler Investoren an der Beteiligung an Finanzierungsrunden in Berlin auch 2016 unverändert stark“, erläutert Allerkamp. So sei es in 2016 gelungen, bei Eigeninvestitionen in Höhe von 15 Mio. Euro Drittmittel im Volumen von 105 Mio. Euro zu aktivieren und damit insgesamt VC im Volumen von 120 Mio. Euro für Berliner Start-ups zu mobilisieren.

Die Medienberichte zum Rückgang des Wagniskapitals könnten nach Einschätzung der IBB den Hype um die Berliner Start-up-Szene zwar etwas dämpfen. Dass potenzielle Investments von den internationalen Investoren nun gründlicher untersucht werden und verstärkt auf den Businessplan, sowie den Nachweis der Profitabilität geachtet wird, kann langfristig jedoch von Vorteil sein. Insgesamt ist also von einer Normalisierung, aber nicht von Vorboten eines Austrocknens bei Start-up-Finanzierungen zu sprechen.