08.07.2016 , Berlin

Berlin – Positiver Konjunkturausblick trotz Brexit-Krise

Die starke Berliner Konjunktur zum Jahresanfang 2016 dürfte trotz der erhöhten Unsicherheit nach der Brexit-Entscheidung auch in den nächsten Monaten gehalten werden.

Mit der anhaltend positiven Arbeitsmarktlage, den erhöhten staatlichen Ausgaben in die Infrastruktur, einer hohen Baunachfrage und dem boomenden Tourismus bleiben die Treiber der Berliner Konjunktur weiter intakt, meinen die Volkswirte der Investitionsbank Berlin (IBB) in ihrer neuesten Konjunkturprognose. Außerdem profitiert Berlin besonders von der lockeren Geldpolitik der EZB und dem historisch niedrigen Zinsniveau. Da deutsche Staatsanleihen zudem als sicherer Anlagehafen in unruhigen Zeiten gefragt sind, wird die Konjunktur auch weiterhin durch niedrige Zinsen geprägt. Diese Entwicklung kommt vor allem der Berliner Baukonjunktur, insbesondere dem Wohnungsbau, zugute.

Dr. Jürgen Allerkamp, Vorsitzender des Vorstands der IBB: „Vor diesem Hintergrund dürfte das Berliner Wachstumstempo nach den Berechnungen unserer Volkswirte im 2. Quartal 2016 sogar noch leicht auf 3,2% und im 3. Quartal auf 2,8% anziehen.“ Diese Einschätzung wird gestützt vom aktuellen „KMU-Report“, der größten regelmäßigen Berliner Unternehmensumfrage. „Mehr als die Hälfte der von IBB und Creditreform befragten 1.500 Unternehmen konnten ihre Erträge im Vorjahr steigern und rund zwei Fünftel gehen von weiteren Steigerungen im laufenden Jahr aus“, so Dr. Allerkamp. „Besonders positiv sind die Zukunftserwartungen im Dienstleistungsbereich. Alles in allem wäre auf dieser Basis unsere bisherige Jahresprognose für das Berliner Wirtschaftswachstum 2016 von 2,5% eher konservativ.“

Zwar sind die politischen und wirtschaftlichen Implikationen sowie der Ablauf des Brexit derzeit äußerst schwer abzuschätzen. Die IBB-Volkswirte gehen jedoch davon aus, dass sich Großbritannien und die EU letztlich gütlich über den künftigen Zugang zum EU-Binnenmarkt einigen werden. Gleichwohl senken sie ihre BIP-Wachstumsprognose für Deutschland geringfügig von 1,7% auf 1,6%. Knapp die Hälfte der Anpassung für Deutschland geht dabei auf eine geringere Exportprognose zurück, getrieben von der erwartet spürbar schwächeren Nachfrage aus Großbritannien.

Dagegen dürften sich die Auswirkungen der Brexit-Entscheidung auf den Berliner Außenhandel vorerst in engen Grenzen halten. Anders als für Deutschland insgesamt spielen die Berliner Exporte nach Großbritannien lediglich eine untergeordnete Rolle. Für Deutschland ist das Vereinigte Königreich mit einem Anteil von 7,7% an den gesamten deutschen Exporten drittwichtigster Handelspartner. Dagegen ist der Anteil Berliner Warenexporte in das Vereinigte Königreich an den gesamten Warenexporten in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gesunken, von 7,3% im Jahr 2005 auf nur noch 3,9% im Jahr 2015. Damit liegt Großbritannien nach den USA (12,5%), Polen (7,8%), Saudi-Arabien (6,0%), Frankreich (5,8%), China (4,9%) und der Schweiz (4,4%) nur noch auf Rang sieben der zehn größten Absatzmärkte für Berliner Exportgüter. Selbst ein unmittelbarer Rückgang von 20% der Berliner Exporte nach Großbritannien würde das gesamte Berliner Exportwachstum auf das Jahr hochgerechnet um nur 0,6-Prozentpunkte vermindern. Von einem solchen Extremszenario ist aber nicht auszugehen. Hinzu kommt, dass die Auswirkungen auf das Berliner Bruttoinlandsprodukt lediglich im unteren Promillebereich liegen. Denn das gesamte Exportgeschäft Berlins beträgt lediglich 11,4% der Berliner Gesamtleistung (zum Vergleich: Deutschland: 39,5%).

Einbußen hinsichtlich des Konsums dürften aufgrund des gesunkenen Wechselkurses des Pfunds lediglich die Hauptstadttouristen aus Großbritannien verursachen. Nach Berechnungen der IBB-Volkswirte bliebe der Umsatzausfall im ungünstigsten Fall aber auf 100 Mio. EUR pro Jahr begrenzt, was bei Tourismusausgaben von rund 11 Mrd. EUR verschmerzbar wäre und sich rechnerisch kaum messbar auf das Berliner Bruttoinlandsprodukt auswirken würde. Vor diesem Hintergrund sehen die IBB-Volkswirte alles in allem derzeit keinen Grund, ihre Konjunkturaussichten für Deutschland und Berlin trotz der Brexit-Entscheidung grundlegend zu revidieren.

Die komplette Konjunkturprognose finden Sie hier:

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