20.03.2018 , Berlin

2018 könnte trotz drohender US-Strafzölle starkes Jahr für Berliner Exporteure werden

  • Exporte wachsen in diesem Jahr um 4%
  • Berliner Säfte in Frankreich gefragt
  • Schweizer beflügeln Berliner Onlinehandel

Für die Berliner Exportwirtschaft stehen die Zeichen 2018 auf Wachstum. Die Volkswirte der Investitionsbank Berlin (IBB) gehen in einer Analyse davon aus, dass die Exporteure im laufenden Jahr vor allem vom fortgesetzten Aufschwung im Euroraum, dem Wachstum der Weltkonjunktur von voraussichtlich rund 3,8% und von den vorerst steigenden Infrastrukturinvestitionen in den USA profitieren. Mit dem Anziehen des Ölpreises auf inzwischen deutlich über 60 US-Dollar sind auch viele Schwellenländer und Ölstaaten wieder in der Lage Berliner Produkte zu kaufen. Auch wenn die Ankündigungen des wichtigsten deutschen Exportpartners USA über hohe Zölle auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren dunkle Wolken am Konjunkturhorizont aufziehen lassen, so sind die positiven Aussichten für die Berliner Industrie zumindest mittelfristig weiterhin stabil. Alles in allem erwarten die Volkswirte der IBB 2018 eine Steigerung der Berliner Exporte um rund 4%.

Im vergangenen Jahr haben die Berliner Exporteure mit Warenausfuhren in Höhe von 15,4 Mrd. Euro (+1,3%) ein respektables Ergebnis erreicht. Vor allem das niedrige Volumen an Aufträgen für die pharmazeutische Industrie sowie fehlende Großaufträge für den Berliner Maschinenbau wirkten im Vergleich zum Vorjahr (+7,6%) dämpfend. 2018 dürfte sich die Berliner Industrie wieder zu einer wichtigen Stütze des Wachstums entwickeln. Die Berliner Industrieunternehmen haben die Talsohle durchschritten und die Auftragseingänge kommen langsam wieder auf Kurs. Dr. Jürgen Allerkamp, Vorsitzender des Vorstands der IBB: „Mittlerweile steht die Berliner Konjunktur auf einer deutlich breiteren Basis als noch vor einem Jahr. Neben den Konsumausgaben tragen nun auch private Investitionen zur Expansion bei. Deshalb kann Berlin für 2018 mit einem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum gerechnet werden, im ersten Quartal 2018 sogar mit 2,7%. Zu dieser positiven Entwicklung tragen auch die vielen exportstarken Berliner Unternehmen bei.“

USA weiterhin wichtigster Exportpartner

Trotz eines Rückganges um 8,8% blieben die USA auch 2017 mit einem Exportanteil von 11,3% bzw. einem Ausfuhrvolumen in Höhe von 1,7 Mrd. Euro das mit Abstand wichtigste Abnehmerland für Berliner Produkte. China setzt seinen steilen Aufstieg als Käufer Berliner Waren weiter fort (+58,5 Mio. Euro auf 976 Mio. Euro) und rückt auf den zweiten Platz vor. Das Land benötigt weiterhin einen breiten Mix an hochwertigen Waren aus Deutschland. Dazu gehören unter anderem die in Berlin produzierten pharmazeutischen Erzeugnisse und medizintechnischen Geräte. Gleichzeitig setzt China im Energiebereich immer stärker auf eine Senkung der Abhängigkeit vom Ausland.

Franzosen trinken mehr Berliner Säfte

Eine tiefergehende Analyse der Berliner Exportzahlen nach Ländern und Waren bringt zudem Überraschendes ans Licht: So trinken Franzosen deutlich mehr Berliner Säfte. Frankreich, historisch gesehen eines der wichtigsten Exportländer Berlins, konnte sich im Vorjahresvergleich um einen Platz auf den dritten Rang verbessern (+97,2 Mio. Euro auf 843 Mio. Euro). Knapp ein Drittel dieser Exportsteigerungen betraf Obst- und Gemüsesäfte (+31 Mio. Euro). Die deutsche Hauptstadt ist europäischer Trendsetter für verschiedene alternative Ernährungsformen und gesunde, frisch gepresste Säfte und Smoothies. In Berlin haben in den vergangenen Jahren eine Reihe junger Unternehmen die Saftproduktion aufgenommen. Sie profitieren von der zunehmenden Nachfrage in Frankreich nach gesunden Bioprodukten.

Schweizer beflügeln den Berliner Onlinehandel

Stark zugelegt haben zudem die Exporte in die Schweiz (+42% auf 834 Mio. Euro), die von Platz 9 im Vorjahr erstmals zum viertwichtigsten Berliner Exportland aufgerückt ist. Diese Entwicklung ist getrieben von einem hohen Zuwachs in der Warengruppen Schuhe und Bekleidung (+422 Mio. Euro). Dank des starken Schweizer Franken hat nicht nur der grenzüberschreitende Einkauf in den benachbarten Euroländern, sondern auch der Onlinekonsum bei ausländischen Anbietern stark zugenommen. Davon profitierten haben auch Berliner Onlinehandelsunternehmen, die seit einigen Jahren in der Schweiz tätig sind.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

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