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Berlin Konjunktur


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 Berlin Konjunktur - Juli 2018

Zusammenfassung

Erste Wolken am Konjunkturhimmel


Der konjunkturelle Schwung in Berlin bleibt auch im 2. Halbjahr 2018 erhalten und das Berliner Wachstum dank einer starken Binnennachfrage hoch – für 2018 kann mit knapp 2,7% Wirtschaftswachstum gerechnet werden (2017: 3,1%). Die Berliner Konjunktur steht inzwischen auf einer breiten Basis. So wird die Berliner Industrie im laufenden Jahr wieder zum Wirtschaftswachstum beitragen. Der Konsum der Berliner Haushalte bleibt stark und zusammen mit dem gut gefüllten Investitionsfonds der öffentlichen Hand wird dies die konjunkturelle Dynamik in den kommenden Monaten stützen. Die Bauwirtschaft trägt ebenfalls weiter zum Berliner Wachstum bei und vor allem die Unternehmen der Dienstleistungsbereiche bleiben ein verlässlicher Arbeitgeber. Allerdings dürfte der Höhepunkt des Konjunkturzyklus erreicht sein und es machen sich erste Wolken am Konjunkturhimmel bemerkbar. So führt ein anhaltendes Wachstum weit oberhalb des Potenzialwachstums zu einer Überauslastung der Berliner Wirtschaft und es kommen zunehmend bremsende Effekte zum Zuge. In den nächsten Monaten ist damit zu rechnen, dass Fachkräfteknappheit in der Bauindustrie und Kapazitätsengpässe vor allem in den unternehmensnahen Dienstleistungen die Konjunktur langsam bremsen.

Beschäftigung steigt auch im 2. Quartal

Auf dem Arbeitsmarkt setzt sich die positive Dynamik des ersten Quartals 2018 zunächst fort. So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im April im Vorjahresvergleich noch einmal deutlich um 54.400 auf 1,47 Mio. gestiegen. Mit einer Wachstumsrate von 3,8% liegt Berlin an der Spitze aller Bundesländer und 1,4 Prozentpunkte über dem bundesdeutschen Schnitt. In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berlin um insgesamt 170.000 erhöht. Auch wenn sich der Berliner Arbeitsmarkt äußerst dynamisch entwickelt, waren im Juni 2018 noch 153.500 Erwerbslose gemeldet. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 7,9% (Deutschland: 5,0%). Der Abstand zwischen der Berliner und der bundesdeutschen Arbeitslosenquote sank von 7,8 Prozentpunkten in der Spitze (Mai 2003) auf zuletzt 2,9 Prozentpunkte im Juni 2018. Rechnet man zu der Zahl der Arbeitslosen aber noch die Personen hinzu, die eine berufliche Eingliederung durchlaufen oder sich in beruflicher Weiterbildung befinden, so erhöht sie sich auf 224.000 unterbeschäftigte Menschen. Gleichzeitig waren im Juni allein bei der Agentur für Arbeit knapp 25.400 freie Arbeitsstellen gemeldet.

Robustes Wachstum bei Dienstleistungen

Die Betriebe im Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen haben im ersten Quartal 2018 mit einem Umsatzwachstum von 2,2% gegenüber dem Vorjahresquartal ein robustes Ergebnis erreicht, das jedoch hinter dem Jahresbeginn 2017 deutlich zurückbleibt (+10,3%). Die Umsätze in diesem Wirtschaftssegment betragen in den ersten drei Monaten mit rund 16 Mrd. EUR knapp 30% der Umsätze in Berlin insgesamt. Die unternehmensnahen Dienstleistungen werden auch 2018 positiv zur Wirtschaftsentwicklung in Berlin beitragen und als hochtouriger Jobmotor gut ausgebildete Menschen aus der ganzen Welt nach Berlin locken. Allerdings dürfte der Schwung aufgrund von zunehmenden Fachkräfteengpässen in diesem Wirtschaftssegment etwas nachlassen, was letztlich auf das Berliner Wachstum durchschlagen wird. Bereits im ersten Quartal 2018 lag der Beschäftigungsaufbau in diesem Bereich bei 3,3% und damit erstmals seit langer Zeit unter dem Beschäftigungsaufbau in Berlin insgesamt (3,9%).

Industrie startet positiv ins zweite Quartal

Lagen die Auftragseingänge der Berliner Industrie im Zeitraum Januar bis April 2017 noch fast 19% unter dem Vorjahreswert, so wurde in 2018 im selben Zeitraum ein Anstieg der Industriebestellungen von 3,9% gemeldet. Dabei stiegen mit 7,7% vor allem die Inlandsbestellungen, aber auch die Auslandsbestellungen konnten spürbar zulegen (+1,6%). Mit der Stabilisierung der Auftragseingänge und der Neueinstellungen dürften auch die Industrieumsätze im dritten und vierten Quartal des Jahres gesichert sein. Nachdem die Berliner Industrie das Bruttoinlandsprodukt 2017 mit einem Rückgang um 400 Mio. EUR belastet hatten, dürfte sie 2018 wieder positiv zum Wirtschaftswachstum Berlins beitragen. So sind die Umsätze der Berliner Industrieunternehmen in den ersten vier Monaten 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum bereits um 1,0% gestiegen.

Sinkende Baugenehmigungen

In 2017 wurden 15.669 neue Wohnungen in Berlin fertiggestellt. Nötig wären pro Jahr rund 20.000, da seit 2011 im Schnitt Jahr für Jahr 40.000 Menschen nach Berlin ziehen. Grund für die schleppenden Baufertigstellungen ist der mit 58.460 rekordhohe Überhang an genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen (+15% gegenüber Vorjahr). Die Bedarfslücke am Immobilienmarkt lässt sich kurzfristig nicht vollständig schließen. Die Bauaktivität wird vor allem durch den Fachkräftemangel in vielen Bau- und Handwerksberufen, fehlende Kapazitäten, aber auch immer komplexere Bauvorschriften, schwieriger zu erschließende Grundstücksflächen, langwierige öffentliche Debatten und steigende Baukosten gebremst. Für die Jahre 2018 und 2019 prognostizieren die Volkswirte der Investitionsbank Berlin in ihrer Untersuchung „Berlin Fokus – Der Druck auf den Immobilienmarkt bleibt hoch“ aus dem Juni 2018 rund 16.500 bzw. 18.500 fertiggestellte Wohnungen. Die Bauwirtschaft wird auch 2018 positiv zum Berliner Wachstum beitragen. In den ersten vier Monaten 2018 stiegen die Umsätze des Bauhauptgewerbes bereits deutlich um 22,2% auf 1,2 Mrd. EUR. Und auch bei den Bauauftragseingängen konnte gegenüber dem Vorjahreszeitraum in den ersten vier Monaten ein Plus von rund 45,5% verbucht werden.

 Berlin Fokus – Der Druck auf den Immobilienmarkt bleibt hoch